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Straßenbahngeflüster

Eigentlich müsste ich einen anderen Titel wählen, aber dieser passt auch ganz gut. Tangiert das Thema zwar nicht so direkt, wie manche sich es wünschen würden, aber passt schon.

Gestern Morgen saß ich auf dem Weg zur Arbeit in der Straßenbahn und rechts von mir saßen vier ältere Damen. Sie waren auf dem Weg zu einem Clubtreffen oder ähnliches, genaueres hatte ich nicht aufgeschnappt.
Diese Damen unterhielten sich über ihre Kinder und Enkel. Ich möchte nicht sagen, sie sprachen abfällig über sie, aber sie meckerten schon.
Sie sprachen davon, dass ihre Enkel sie immer nur anriefen, wenn sie etwas brauchten oder sie besuchen kommen wollen, um ein bisschen Geld abzusahnen oder lecker zu essen.

Bei vietnamesischen Familien würde das niemals passieren. Wir leben familiärer zusammen und uns wird schon recht früh gesagt, dass die Familie das Wichtigste im Leben ist.
Denn egal was passiert deine Familie wird immer hinter dir stehen und immer für dich da sein, dich aus allen Schwierigkeiten wieder herausboxen. Bekannte oder Freunde dagegen, können niemals diese starke Bindung zu dir aufbauen, wie du sie zu deiner Familie hast.
Wenn ich daran denke, wie oft meine Eltern meine Großeltern anrufen und das mit den Telefongewohnheiten meiner Freunde zu ihren Großeltern vergleiche, ist das schon ein ganz schöner Unterschied. Obwohl meine Großeltern viele tausend Kilometer entfernt wohnen, halten meine Eltern und ich Kontakt zu meinen Verwandten in Vietnam. Egal was hier passiert oder in Vietnam, wir wissen immer bescheid wie es irgendeinem Familienmitgleid von uns geht. Und es ist wirklich egal, wo sich diese Person gerade befindet, wir finden immer einen Weg Kontakt zu halten. Selbst bei Streit, trennt sich die Familie nicht für immer und der ganze Kontakt bricht nicht ab, in einer viet. Familie verzeiht man dem anderen relativ schnell.
Es liegt nicht daran, dass wir herzensgute Menschen sind, aber in unseren Adern fließt das gleiche Blut, wir sehen uns weitesgehend ähnlich, wir sind eine Familie.
Da Familien in Vietnam eher Großfamilien sind, kann es schon vorkommen, dass ich in Vietnam meine Verwandte unhöflich begrüße, weil mir nicht bewusst ist in welcher Beziehung ich zu der Person stehe.
Sehr kompliziert. Darum muss ich sehr vorsichtig sein.

Ich möchte hiermit nur sagen, dass einige andere Völker sich ein Beispiel an der Denkweise, der Vietnamesen, nehmen könnten.
Blut ist dicker als Wasser & Familienbande sind stärker als Liebschaften und Freundschaften.

1 comment Februar 23, 2009

Die Cosmopolitin & der Straßenjunge

Heute habe ich mal wieder einen Fuß aus der Tür gesetzt und bin in die Innenstadt gefahren. Wuhu.
Ich habe ein Geschenk für meine Schwester gesucht und gefunden, sie wird nämlich am Freitag ganze 11 Jahre alt. Seit ihrem 6. Lebensjahr schenke ich ihr zu jeder Gelegenheit Bücher. Auch wenn sie das Lesen nicht so sehr mag wie ich, aber ich möchte nicht, dass sie unbelesen durch die Welt rennt. Diesmal entschied ich mich für „Trash-Literatur“. Die beiden Teenie-Romane sollen nur zur Unterhaltung dienen und ich hoffe, ich hab ihr Interessengebiet damit abgedeckt – mit zwei wunderschön gestalteten „Glamour Clique“- Romanen. Und dann noch der gewöhnliche pinkfarbene „Mädchen-Schnick-Schnack“ á la „Hello Kitty“. Ich hoffe sie freut sich.

Und wenn ich schonmal im Bücherladen war, stöberte ich weiter und fand das aktuelle Buch von J. K. Rowling „The Tales Of Beedle The Bard“. Gekauft. <3
Nachdem ich also meine Erledigungen gemacht hatte, ging ich zu „Starbucks“ und gönnte mir nach langer Zeit wieder einen Caramel Macchiato und einen unglaublich leckeren Schokomuffin. Alles zum Mitnehmen, bitte.
Und da ich immer Hunger habe, bin ich danach noch schnell zu „Bagel Brothers“. Ich verließ diesen Laden mit einen Schoko- und einem Blaubeer-Bagel.
Wie eine Cosmopolitin (vllt. werd ich noch eine) laufe ich nichtsahnend mit Justin Timberlake im Ohr in Richtung Hauptbahnhof.
- Zumindest denk ich, dass ich wie eine Cosmopolitin aussah. Ich war in schwarz, weiß und grau gekleidet, hatte meine weiße Handtasche um den rechten Arm, hielt in der rechten Hand meinen weißen Starbucks-Becher, meine Hände waren behandschuht (ich entschied mich heute für meine schwarzen Handschuhe) und mir war klar, dass es ein gutes Gesamtbild ergab.
Oder ich bildete es mir zumindest ein. Eine junge Frau von Welt in der Kulturstadt Leipzig.-
Plötzlich werde ich von einem Straßenjungen angesprochen. Und mit Straßenjunge meine ich nicht, das was „Sido“ in seinem „Song“ beschreibt.
Sondern es is jemand, der aufgrund mir unbekannten Gründen entschied nicht mehr zu Hause zu bleiben und wahrscheinlich schon viel in Deutschland rumgekommen ist. Und jeden Tag gehen die Straßenkinder/~jugendliche auf die Straße und fragen nach Geld von Passanten, um sich dann irgendwie zu ernähren.
Ich wurde auch sehr freundlich angesprochen und nach ein paar Cents gefragt.
Ich gebe diesen Menschen nicht gerne Geld, weil ich dann nicht genau weiß, was sie damit machen. Kaufen sie sich wirklich was zu essen oder endet mein Geld bei irgendeinem Kiosk für Zigaretten oder Alkohol?!
Schon von Weitem habe ich diesen Jungen erblickt und habe auch gesehen, wie viele Menschen kopfschüttelnd weggegangen sind.
Ich weiß nicht genau warum ich stehen blieb und ihm meine beiden Bagels gab. War es Mitleid oder bin ich wirklich so freundlich? Keine Ahnung.
Ich weiß nur, dass er sich bei mir bedankte, ich ein kleines Funkeln in seinen Augen wahrnahm, er mir einen wunderschönen Tag gewünscht hatte und meinte ich sei eine „schmucke junge Dame“. Mit einem Lächeln verabschiedete und bedankte ich mich bei ihm und ging zu meinem Straßenbahngleis.

Ich gebe zu, das war nicht das erste Mal, dass ich einfach mein soeben gekauftes Essen weggab. Ich gehör sowieso zu den Menschen, die gerne geben.
Wir leben in einer Gesellschaft voll Überfluss, an allem.
Und ich würde meine Familie nicht gerade als arm oder reich bezeichnen. Wir kommen gut aus. Deswegen gebe ich gern Menschen etwas, die nicht das Glück haben von ihrer Familie unterstützt zu werden. Aber merkwürdigerweise ist es sehr von meiner Laune abhängig. Es gibt Tage, an denen ich genau das Gleiche mache, wie alle anderen auch: Kopfschüttelnd, verlegen-lächelnd weggehen.
Ich möchte hiermit nicht eine Heilige mimen. Ich bin einfach ich.

Add comment Februar 18, 2009

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