Sarah Kuttners Debütroman versprach schon von Anfang an mehr als Charlotte Roches.
Die Thematik ist eine ganz andere, zum Glück! Denn noch ein gebundenes Werk über Vaginalrasuren, Avocadokerngeburten und blutigen Tamponaustausch auf öffentlichen Toiletten würde ich wahrscheinlich gegen irgendeinen unschuldigen Kopf, Wand oder Baum werfen.
Karo Herrmann, die Protagonistin, und ich, wir haben viel gemeinsam. Wir beide leben schnell und sind verdammt ungeduldig, wir denken sehr viel nach und versuchen dadurch den anderen einen Schritt voraus zu sein.
Doch Karo reißt es plötzlich, nach dem Verlust ihres Jobs und Dauerfreundes, den Boden unter den Füßen weg. Sie gerät in eine Depression.
Auf Antidepressiva zieht sie zwischenzeitlich bei ihrer Mutter ein, lernt diese neu lieben und der Leser darf ein Weihnachten mit den Herrmann-Frauen erleben.
Auch in Sachen Liebe und Beziehung geht es für sie bergauf, denn nach ihrem Intermezzo mit David, dem „depressiven Superman“, trifft sie den verständnisvollen und geduldigen Max, der fast bis zum Ende des Romans erstmal nur ihr „Fast-Freund“ bleibt.
Karos bester Freund Nelson bezeichnet sie als „Mängelexemplar“, denn in der heutigen Zeit gibt es immer weniger „Hauptgewinne“ und zunehmend „Mängelexemplare“, die immer gern zurückgegeben werden, um beim Psychologen korrigiert zu werden.
Dieser Roman spiegelt zu viele Seiten von mir wieder, sodass ich nicht sagen kann, ob er mir gefällt, weil die Sprache und der Ausdruck so modern gestaltet sind und den momentanen Zeitgeist, und somit meinen Geschmack getroffen haben, oder ob er mir gefällt, weil diese fiktive Figur mir zu großen Teilen ähnelt und mir dadurch relativ reell vorkommt.
(Oder weil ich Sarah Kuttner einfach mag…)
