Herzstillstand.
November 4, 2009
freesoul
Mein Leben ist aufregend. Ich sollte mich für so eine billige RTL- oder Pro7-Doku anmelden. „We are family“, ich komme!
Heute Morgen, zugegeben, es war schon Mittag, wurde ich durch einen Aufruhr bei uns zu Hause aus dem Schlaf gerissen: „ML, wir brauchen den Schlüssel! Wo ist der verdammte Schlüssel?!“
In blitzesschnelle rollte ich mich aus meinem Bett, vergaß, dass ich nur in Boxershorts und Top gekleidet war, riss meine Augen auf und gab meinem Cousin instinktiv meinen Hausschlüssel.
Den wollte er aber nicht. Er verlangte nach meinem Zimmerschlüssel. Ein bisschen merkwürdig, dachte ich mir, kurz bevor ich ihm den Schlüssel gab. Da ich schonmal aufgestanden bin, kann ich auch mal fragen was denn nun eigentlich passiert war. Aber Fragen sind überflüssig. Vor der Tür des Kinderzimmers hockte unsere Kinderfrau und redete mit der Tür. Und ich habe tatsächlich zwei Sekunden gebraucht, um zu begreifen. In meinem Kopf fluchte ich laut vor mich hin, mein Körper zog durch die Wohnung auf der Suche nach dem Festnetztelefon. Kurzwahl. Fünfzehn Sekunden später sprach ich etwas schnell mit meiner Mutter, ich gab sie an meinem Cousin weiter, scheuchte die unfähige Scheißkuh weg und sprach selbst mit meiner Schwester.
Wofür wird diese Frau eigentlich bezahlt?! Ich gab kleine Anweisungen durch die Tür an meine jüngste Schwester weiter. Diese war so von ihrer eigenen Handlung geschockt, sodass sie nicht mal richtig antworten konnte. Meine Mutter wollte den Schlüsseldienst rufen. Ich lehnte ab. Eine Frau von Welt muss nicht unnötig Geld ausgeben, um eine Tür zu öffnen. Stattdessen bat ich sie, bei ihren Kollegen nach einem Dietrich zu fragen. Vierzehn Minuten später kamen mein Stiefvater und meine Mutter nach Hause und hatten mir etwas mitgebracht. In den vergangenen vierzehn Minuten hatte ich meine Schwester immer wieder gebeten den Schlüssel von innen wieder reinzustecken und die Tür aufzuschließen, aber es ging nicht… sie wurde hektisch, so ging es noch weniger. Sie ist auch noch ein Kleinkind, aber verdammt tapfer. Tränen vergießen wir nicht. Ganze zwei Sekunden hatte ich gebraucht, um die Tür zu öffnen.
Ich bin die Heldin des Tages.
Entry Filed under: Leben
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